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Wie die Hilfe organisiert ist
Im Rahmen des vierjährigen Projektes
werden betroffene Kinder in den Schulen auf ihre Hör- und Sehfähigkeit
überprüft. Und 1.400 von ihnen mit Hörgeräten und 8.000 mit passenden
Brillen versorgt.
Die Projektbasis ist die audiologische und optische
Abteilung von Sunflower Village. Von dort aus wird zuerst der Bedarf und die Ausstattung
der einzelnen Schulen analysiert, welche dann der Reihe nach besucht werden. Bei diesen
Besuchen werden bei den in Frage kommenden Kindern Hör- und Sehtests durchgeführt und im
Bedarfsfall vorbereitende Maßnahmen zur Anpassung einer Hör- oder Sehhilfe getroffen.
In Sunflower Village werden dann die Brillen und Hörgeräte
vorbereitet. Im Fall der Brillen werden neue Gläser eingeschliffen und in neue oder
gebrauchte Rahmen eingesetzt. Bei Hörgeräten werden die Ohrstücke nach den
Ohrabformungen im eigenen Labor gefertigt und neue Siemens Taschenhörgeräte auf das
jeweilige Hördefizit eingestellt. Während eines weiteren Besuchs der Schule erfolgt
dann die Feinanpassung der Hilfen und eine Einweisung der Eltern und Lehrer in deren
Umgang.
Für die weitere Zukunft sind regelmäßige Kontrollen und
Nachbetreuungen der versorgten Kinder geplant. Außerdem sollen die Lehrer weiter im
Umgang und in der Unterrichtsbetreuung der hör- und sehbehinderten Kindern geschult
werden. Durch dieses Projekt wird den Kindern ein Weg geöffnet, trotz ihrer Behinderung
ein normales Leben und eine angemessene Ausbildung zu genießen.

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Zur Vorbereitung des jetzt
laufenden Projekte erklärte ich mich
bereit, im Interesse der Ceylon-Direkt-Hilfe (CDH) ehrenamtlich für 5 Wochen
in Sunflower Village (SFV) in meiner Tätigkeit als Hörgeräteakustiker nach dem Rechten
zu schauen. Mich beschäftigte während des Hinfluges immer wieder die Frage, was
mich in den nächsten Wochen in Sri Lanka erwarten würde. Und so fieberte ich meiner
Ankunft am Flughafen von Colombo voller Erwartung und Spannung entgegen.
.. aber es funktioniert !
Die Fahrt mit dem Van, dem landesüblichen
Fortbewegungsmittel, quer durch Colombo nach Sunflower Village war wie ein Film. Die fast
zweistündige Fahrt bescherte mir die ersten Eindrücke von einer für mich neuen Welt. Es
war schließlich mein erster hautnaher Kontakt mit der asiatischen Kultur. Für mich als
ordnungs- und sauberkeitsverwöhnten Mitteleuropäer präsentierte sich das krasse
Gegenteil. Bis zur Ankunft im Sunflower Village. Mein erster Gedanke dort: ein
paradiesisches Idyll in einer scheinbar chaotischen Welt. Ein Gedanke, der sich in den
nächsten Wochen immer wieder in allen Belangen bestätigen würde.

Viele Personen arbeiten zusammen
Die ersten Tage verbrachte ich mit dem Kennenlernen von
allen am Projekt beteiligten Personen: Mihira Wickramarachchi, Tamarah, Dinesha und
Kumari. Mihira Wickramarachchi ist Betreiber von mehreren Geschäften mit Optik und
Hörgeräteakustik. Er ist Vorsitzender und Förderer von Sunflower Village und Leiter der
Audiologischen und Optischen Abteilung. Er ist zuständig für die Betreuung des Projekts
und für die Ausbildung der Mitarbeiter. Außerdem werden die Brillen teilweise in seinem
Labor vorbereitet und gebrauchte Hörgeräte überarbeitet und repariert.
Thamara ist gelernter Elektroniker und
seine Aufgabe besteht in der Koordination der Aktivitäten und in der Vorbereitung und
Anpassung von Hörgeräten. Dinesha, eine ausgebildete Optikerin,
unterstützt ihn dabei und ist für die Vorbereitung und Anpassung von Brillen
verantwortlich. Kumari, eine behinderte, junge Frau aus Sunflower
Village, fertigt die Ohrstücke für die Hörgeräte im gut ausgestatteten Labor von
Sunflower Village. Sie soll weiter in den Bereichen der Optik und Hörgeräteakustik
ausgebildet werden. Eine Chance für ihre Zukunft.

Hoher Wissensstand, gute Arbeit
Ich war höchst überrascht über den Wissensstand aller
Beteiligten in der Audiologie. Vorbereitet auf das Vermitteln von Grundkenntnissen der
Hörgeräteversorgung, galt es vielmehr tiefgreifende Detailfragen zu klären. Auch die
Qualität der Fertigung von Ohrstücken im eigenen Labor entsprach den westlichen
Ansprüchen und war nur in Details zu verbessern. Beste Voraussetzungen für das
Gelingen des Projekts.
Es ist jedoch nicht genug damit getan, Brillen
und Hörgeräte anzupassen und den Kindern damit eine Chance für eine normale Zukunft zu
geben. Wichtig ist auch die Nachsorge. Hierbei soll auf Veränderungen der Hör-
und Sehfähigkeiten der Kinder reagiert und die Hilfe auf weitere Tauglichkeit überprüft
werden. Reparaturen und Wartung müssen durchgeführt und Hörgeräte bzw. Brillen dem
momentanen Wachstumsstand der Kinder angeglichen werden. Und schließlich ist der
Gesamtbedarf an Hörgeräten und Brillen im ganzen Land deutlich höher, als ihn das
momentan laufende Projekt abdecken könnte. Reizvolle, aber auch arbeits- und
kostenintensive Aufgaben für die Zukunft, für die jedoch die Regierung Sri
Lankas ihre volle Unterstützung zugesagt hat.

Persönliche Erfahrung: Sunflower
Village hilft konkret
Für mich war mein fünfwöchiger Aufenthalt in Sunflower
Village eine Herausforderung und eine Erfahrung, die ich nicht mehr missen möchte. Ich
hatte die Gelegenheit, nicht nur eine für mich neue Kultur, sondern auch Land und Leute
auf die angenehmste Art und Weise kennen zu lernen. Durch meine Arbeit, meine Erlebnisse
innerhalb und außerhalb von Sunflower Village, die Gespräche mit den Mitarbeitern und
Bewohnern und den Umgang mit den behinderten Kindern erfuhr ich sehr viel über das Leben
und die Probleme in Sri Lanka. Dabei wurde mir eines klar: Sunflower Village stellt für
viele ein Sprungbrett in eine positive Zukunft dar.
Zum Abschluss
steht fest: Dies war mit Sicherheit nicht
mein letzter Aufenthalt in Sri Lanka.
Ralf Deistler, Hörgeräteakustiker, München |